von Ali Morris

„Mach ein bisschen Teebaum drauf“ sagte mein Zukünftiger 3 Monate vor unserer Hochzeit letztes Jahr, als ein ekzemartiger Stressausschlag auf meinem Rücken ausbrach. In unserem Haus hört man diesen Standard-Ratschlag bei jedem nur erdenklichen Weh-wehchen.

Von Ausschlägen, Wunden und Pickeln über Verbrennungen bis hin zu Stichen, es hilft immer, er schwört darauf. Ich war gegenüber der magischen Heilwirkung etwas skeptisch eingestellt, auch von der Anpreisung als Wunderheilmittel genervt, also entschied ich, ein wenig tiefer zu recherchieren. Dummerweise schien es so, als hätte er damit nicht ganz Unrecht.

Wie sich herausstellt ist Teebaumöl das One-size-fits-all T-Shirt der Medizinwelt.

Jenseits von Ausschlägen, Wunden, Pickeln und Verbrennungen, ist dieses stark riechende pflanzliche Öl ein hervorragendes Mittel gegen Läuse und Flöhe, Zehnagelpilze und Warzen, kann Asthma lindern, Akne behandeln, anscheinend desinfizierend wirken, schafft Abhilfe bei Mundgeruch und sogar so manch enthusiastische Hausfrau benutzt es zur Herstellung von hausgemachter Zahnpasta, Deodorant oder Teppich- und Küchenreinigern. Die Liste ist anscheinend endlos.

Extrahiert aus dem „Melaleuca alternifolia“ Baum, der entlang Bächen und sumpfigen Ebenen des australischen Queensland und New South Wales wächst, verdankt das bescheidene klare Öl seine magischen Kräfte seiner molekularen Zusammensetzung: 98 Verbindungen und sechs Chemotypen (oder vereinfacht „Ölen mit unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen“), höchst maßgeblich ein Chemotyp mit dem Namen „Terpinen-4-ol“, das antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.

Es wurde kommerzialisiert und in den 1920ern weit verbreitet und trotz all seiner belegbaren Wirkungen nur als „möglicherweise wirksam“ eingestuft. Experten sprachen von unzureichender Nachweisbarkeit für eine regelmäßige klinische Anwendung. Das schien dem Verkauf des Zeugs jedoch in keinster Weise geschadet zu haben, denn auch heute noch berichten Apotheker von dessen stetig wachsender Beliebtheit. Die es versuchen möchten, sollten in kleinen Mengen kaufen – 5ml ist das benötigte Maximum – und aufgemerkt, das potente Öl sollte mit Wasser oder einem Trägeröl verdünnt werden um Hautirritationen zu vermeiden. Zusätzlich reagiert Teebaumöl empfindlich auf Oxidation – in Verbindung mit Sauerstoff können gesundheitsschädigende Verbindungen entstehen, die lokale Hautirritationen und Kontaktallergien hervorrufen können. Aus diesem Grund sollte es stets in einer bernsteinfarbenen Glasflasche aufbewahrt und nach spätestens drei Jahren entsorgt werden.

Bezüglich meines eigenen Ausschlags? Einen Monat nach der Hochzeit verschwand er von ganz alleine, und wenn er sein hässliches Gesicht jemals wieder zeigt, könnte man mich sehr wohl dabei ertappen, wie ich unauffällig nach dem Teebaumöl greife, nur so für alle Fälle.

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