Gibt es etwas Neues in der Augenheilkunde was jedes Kind betreffen kann?

Ja, weltweit beobachtet man seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine deutliche Zunahme der Kurzsichtigkeit bei den 12-18 Jährigen.

Dabei kann für USA und Europa eine Verdreifachung auf ca. 30%, während in Südostasien eine Steigerung um das 5-fache bis zu 95% in Singapur beobachtet werden.  

Was löst dies aus?

Früher glaubte man dass,  ausschließlich genetische Faktoren für das Auftreten der Kurzsichtigkeit verantwortlich sind.  Nach wie vor sind  zwar Kinder  von Eltern mit Kuzrsichtigkeit vermehrt  d.h. dreimal mehr betroffen auch kurzsichtig zu werden, jedoch wird der Umwelt und der Verhaltensweise  in der frühen Kindheit deutlich mehr Bedeutung beigemessen als früher. Dabei wurde eine deutlicher Zusammenhang  zwischen Schul –und Ausbildungsjahre und dem Auftreten der Kurzsichtigkeit gefunden. Dies wiederum wird durch die Naharbeit wie auch eine vermehrte Tätigkeit am PC und  die Benutzung des Handys  bei gleichzeitig  fehlender Exposition von Tageslicht versucht zu erklären.  Besonders  trat die Verstärkung der Kursichtigkeit bei der Stadtbevölkerung in Südostasien im Vergleich zur dortigen Landbevölkerung  auf.

In wieweit diese Daten auch auf die europäische Population mit  überwiegend Kaukasiern zutrifft, muss noch untersucht  werden. Man ist sich in der Fachwelt jedoch einig, dass Tageslichtaufenthalte der Kinder auch in Europa von klein auf von mindestens von 2 Stunden pro Tag, Pausen beim Lesen nach 30 Minuten mit Blicken in die Ferne und Leseabstände von mindestens 30cm diesem entgegen wirken sollen. Bei älteren Kindern scheint dieser protektiver Effekt nicht mehr zu greifen.

Gibt es auch Medikamentöse oder andere Maßnahmen wie spezielle Brillen, die  helfen können die Kurzsichtigkeit zu verhindern? 

In Asien wird versucht durch gering konzentriertes Atropin als Augentropfen die Kurzsichtigkeit prophylaktisch einzudämmen,  jedoch hat diese Methode deutliche Nebenwirkungen, wie Blendung und  Kopfschmerzen, sowie noch nicht bekannte Langzeiteffekte.   In wieweit die Behandlungsansätze auch im europäischen Bevölkerung Anwendung finden können, muss noch untersucht werden. Eine Studie welche dieser  Möglichkeit nachgeht,  ist in Europa auf dem Weg. Bis zur Beendigung der Studie sollte unbedingt nur unter strenger augenärztlicher Aufsicht und Beratung  von auf Kinderheilkunde spezialisierten Augenärzten  medizinische Maßnahmen angedacht werden, dies beinhaltet auch Tragen spezieller Kontaktlinsen oder  Brillen.  

Damit spielt derzeit vor allem die Vorsorge mit Tageslichtexposition bei kleinen Kindern und Kontrolle des Nahsehens eine Rolle, muss dabei etwas beachtet werden?

Ja, gegen die Exposition von UV/ A  und UV/ B Strahlung muss bei dafür empfindlicheren Kleinkindern ein Schutz erfolgen. Dies sollte dann bei Sonnenlicht mit entsprechenden Sonnengläsern, Kopfbedeckungen mit Schirm etc. erfolgen. Jedoch müssen  Tageslichtaufenthalte im Freien nicht immer mit einem erhöhten UV A und UV-B  Belastung einhergehen. Dies hängt natürlich auch von klimatischen und geografischen Verhältnissen ab. 

Quellen und weiterführende Informationen: (DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) Juli 2017), WSPOS  (World Society Pediatric Ophthalmology) Consensus Statement November 2016)

 

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